25.000 Besucher in gut zweieinhalb Jahren. Das ist die stolze Bilanz des Flörsheimer Gebrauchtwarenmarktes „Tisch und Teller“. Ulrich Levin, der das Sozialkaufhaus als Betriebsleiter maßgeblich
mit aufgebaut hat, freut sich über den anhaltend guten Erfolg des Gebrauchtwarenmarktes, den das Diakonische Werk seit Dezember 2009 in enger Zusammenarbeit mit dem Main-Taunus-Kreis betreibt.
Der Tagesumsatz von 650 Euro reiche noch nicht aus, alle Kosten abzudecken, aber die starke Förderung des Main-Taunus-Kreises, der Einsatz von Bundesmitteln, Mittel des Diakonischen Werks und
Geld aus Kirchensteuern der Evangelischen Kirche ermöglichten ein ausgeglichenes Budget. Mittelfristig hofft Levin den Eigenanteil an den Kosten durch höhere Verkaufserlöse ausweiten zu
können.
Das Einkommen der Kundschaft liegt teils unter der Armutsgrenze, zum Teil nur wenig darüber, teilt der Leiter des Sozialkaufhauses mit. In den vergangenen 2 Jahren seien weit mehr als 1000
Ausweise für Menschen ausgestellt worden, die Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch erhalten oder sonst nur über ein geringes Einkommen verfügen können. Und wer als bedürftig gilt, erhält einen
zusätzlichen Rabatt von 25 Prozent. Viele scheuten sich ihre Bedürftigkeit prüfen zu lassen und die meisten anderen hätten einen eher kleinen Geldbeutel. Dickere Autos habe er aber auch schon vor
der Tür stehen sehen. Eine gewisse Durchmischung der Kundschaft sei erwünscht. Und immer wieder gäbe es interessante Schnäppchen und Designerstücke.
Sozial sind nicht nur die Preise, sondern auch die Maßnahmen der Arbeitsförderung. Joachim Werle vom Amt für Arbeit und Soziales des Main-Taunus-Kreises bezeichnet den Gebrauchtwarenmarkt als
„ideales Trainingsfeld unter realistischen Bedingungen“. Die Mitarbeiter identifizierten sich sehr stark mit „ihrem Gebrauchtwarenmarkt“. Man könne richtig sehen, wie die Menschen sich wieder
stabilisieren. Gewiss schafften nicht alle den Sprung auf den Ersten Arbeitsmarkt, aber den Teilnehmern bietet sich hier auf jeden Fall die Möglichkeit einer sinnvollen Beschäftigung
nachzugehen.
Für sein Konzept hat Tisch & Teller 2010 den Sozialpreis der Stadt Flörsheim erhalten. Ein auch handwerklich ausgebildeter Sozialpädagoge und ein Handwerksmeister begleiten die Mitarbeiter
bei ihrer täglichen Arbeit. Dem Diakonischen Werk ist es wichtig, dass der Markt mehr als ein reines Kaufhaus ist, sondern auch Lebensraum. Auch deshalb gab es bereits eine Dichterlesung, eine
Kunstausstellung sowie verschiedene Vorträge.